Solidarität mit türkischen Wissenschaftler_innen

Als Arbeitsgruppe Politische Theorie der DNGPS solidarisieren wir uns mit den türkischen Wissenschaftler_Innen, deren freie Meinungsäußerung mit Repressionen bestraft wurde. 1128 Akademiker_Innen setzten sich Mitte Januar mit einem offenen Brief an die türkische Regierung für ein Ende der Gewalt im Südosten ihres Landes ein. Ihr Einsatz für eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen PKK und türkischer Regierung führte zu Entlassungen, zu persönlichen Drohungen, bis hin zur Furcht um das eigene Leben.

Als Arbeitsgruppe Politische Theorie verurteilen wir die Sanktionen der türkischen Regierung. Um zu informieren, die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken und so die betroffenen Wissenschaftler_Innen zu unterstützen, haben wir zentrale Hinweise aus dem Netz gesammelt:

Was ist geschehen?

Soziopolis: http://www.soziopolis.de/verstehen/was-tut-die-wissenschaft/artikel/erdogan-gegen-die-freiheit-der-wissenschaft/

Deutschlandfunk: http://www.deutschlandfunk.de/kurden-konflikt-erdogan-wettert-gegen-tuerkische-akademiker.795.de.html?dram:article_id=342757

Statements

Professional Association on „International Studies“ http://eisa-net.org/be-bruga/eisa/files/public-statement-turkey.pdf

Assoziation kritische Gesellschaftsforschung (AkG): http://akg-online.org/aktuelles/offener-brief-die-deutsche-regierung-und-bundesaussenminister-steinmeier

Kritnet http://kritnet.org/2016/fuer-das-recht-im-krieg-den-frieden-zu-fordern/?from=aufrufe

Petitionen

Medico https://www.medico.de/internationaler-appell-16370/

Academicians for Peace http://www.europe-solidaire.org/spip.php?article36944

Special Issue: „Theorising Noncitizenship“

Die letzte Ausgabe des Journals „Citizenship Studies“ ist wohl auch für Politische Theoretiker_innen spannend, die sich mit Fragen von Migration, Zugehörigkeit und Staatsbürgerschaft beschäftigen. Die Special Issue setzt sich mit „Theorising Noncitizenship“ auseinander. Die zentralen Fragen für die Herausgeber_innen Katherine Tonkiss und  Tendayi Bloom sind  „how liberal political theory can begin to address directly the question of noncitizenship. Bringing together scholars from legal, theoretical, sociological and applied perspectives, the special issue considers the theoretical problem that noncitizenship presents and how this problem can begin to be addressed with reference to how noncitizenship is conceptualised and the lived experience of noncitizenship“ (p. 837-838).

In den verschiedenen Beiträgen werden dann sowohl theoretische als auch empirische Blicke auf den Gegenstand geworfen wobei selbst die empirisch-orientierten Beiträge zu Australien oder Europa eine interessante theoretische Auseinandersetzung bieten. Hier lohnt es sich also sicher, mal reinzuschaun.

PS: Leider ist keiner der Artikel „open access“ weshalb ein Zugang über Unis(-Bib) oder andere Forschungseinrichtungen nötig ist, um die Texte zu lesen. Möglicherweise lassen sich durch eine intensivere Suche drafts oder andere vorläufige Versionen der Texte im Netz finden. Sicherlich kann sich auch an die Autor_innen gewendet werden, um die Texte zu erhalten.

CfP des Soziologiemagazins: „Gewalt, Macht und Herrschaft – Gesellschaft total?“

Dieser CfP des Soziologiemagazins ist wohl im ganz klassischen Sinne transdisziplinär. Gewalt, Macht und Herrschaft sind für die Sozial- und Geisteswissenschaften zentrale Begriffe, die sich in ziemlich allen Bereichen menschlichen Zusammenlebens finden und einer genauen Analyse sowie theoretischer Reflexion bedürfen.

Daher sei hier mal explizit auf den CfP verwiesen. Die Deadline ist der 01.06.2016. Folgt ihr dem Link, findet ihr mehr Informationen und den ausführlichen Call for Papers-Text.

PS: 2014 hatte die AG die DNGPS-Konferenz zu „Herrschaft und Widerstand“ in Kassel organisiert. Möglicherweise lassen sich an die damaligen Diskussionen und Vorträge anknüpfen.

Zur Diskussion: 9 Thesen zur Überwindung des Kapitalismus

Die folgenden Thesen basieren auf dieser Grundüberlegung, die aus meiner Sicht ein Konsens unter antikapitalistisch denkenden Menschen darstellt: Der Kapitalismus führt die Menschheit früher oder später in die Katastrophe, genauer: zum Untergang der Menschen entweder durch Unbewohnbarkeit des Planeten oder einen (nuklearen) Weltkrieg um völlig ungleich verteilte Ressourcen (Wasser, fossile Brennstoffe, Geldkapital …). Es ist also notwendig, das zerstörerische kapitalistische System zu überwinden und eine alternative Gesellschaftsordnung aufzubauen. Da keine bessere Alternative als die sozialistische mir vorliegt, schlage ich eine sozialistische Umwälzung vor, die aus den Fehlern und Erkenntnissen der vergangenen und gegenwärtigen sozialistischen Versuche lernt. Die hier formulierten Thesen sollen Grunderkenntnisse aus den sozialistischen Kämpfen der vergangenen 150 Jahre zusammenfassen und einen möglichst rationalen Weg zur Überwindung des kapitalistischen Gesellschaftssystems aufzeigen. Damit beanspruche ich keine Vollständigkeit, vielmehr stellen diese Thesen nur den Ausgangspunkt für weitergehendere, umfangreichere Überlegungen dar.

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Foucault gibt es nicht im Singular

Tagungsbericht zu: Überwachen und Strafen heute, 05.-07. November in Bremen

von Clelia Minnetian, Janosik Herder und Stefan Wallaschek

Zum 40-jährigen Jubiläum von Michel Foucaults Buch Überwachen und Strafen organisierten Frieder Vogelmann, Jörg Bernardy und Martin Nonhoff eine Tagung in Bremen zur Frage der Aktualität der dort formulierten Thesen. Welche Rolle spielen heute noch die Disziplinarmacht oder das Panopticon unter der Annahme, dass ganz neue Techniken wie die neoliberale Steuerung zur Selbststeuerung zum Einsatz kommen oder ältere Strafpraktiken des öffentlichen Prangers wieder vermehrt festzustellen sind? Dass der Tagungsort mit zwei sich gegenüberliegenden Glasfronten selbst einem Panopticon ähnelte und die Tagung für ein weiteres Filmprojekt von Christoph Faulhaber komplett aufgezeichnet wurde – dessen letzter Film Jedes Bild ist ein leeres Bild auf der Tagung zu sehen war –, konnte in einem foucaultschen Sinne wiederum als interessanter Verweis auf gegenwärtige Überwachungstechniken wie auch auf die gesellschaftlichen Wünsche nach Transparenz, Offenheit und Datenakkumulation verstanden werden.

Donnerstag – Subjektivierung, Panopticon und Scham

Die beiden ersten Vorträge beschäftigten sich mit der neuen Subjektform des digitalen Subjektes, die mit der medialen Entwicklung aufgekommen ist. So aktualisierte Susanne Krasmann die neuen Formen des Sicht- und Sagbaren für das datenproduzierende Subjekt der Gegenwart. Ihre Annahme Foucault gibt es nicht im Singular weiterlesen