Hannah Arendt und die Pflicht zum Ungehorsam

In dieser Arte-Dokumentation kommen Aktivist*innen verschiedener revolutionärer Bewegungen zu Wort mit Bezug auf die politische Theoretikerin Hannah Arendt. Ein Beispiel dafür, wie politische Theorie Hilfeleistung für politiches Handeln bieten kann, indem sie etwa ermöglicht, das Geschehende zu denken und in Worte zu fassen.

Wer übrigens das sehr sehenswerte Interview von Günter Gaus mit Hannah Arendt kennt, wird einige Szenen wiedererkennen.

Exzellenzkritik – Petition gegen die Exzellenzinitiative

Eine Reihe von Wissenschaftler*innen hat heute eine Stellungnahme und Petition gegen die Exzellenzinitiative veröffentlicht.

In der Erklärung heißt es:

Wir halten in dieser Situation die Beteiligung am Exzellenzwettbewerb für falsch. Faktisch können sich ihm viele von uns kaum entziehen, weil wir von Hochschulleitungen und Landesregierungen abhängig sind, die erhebliche Hoffnungen und Mittel in Exzellenz-Bewerbungen investieren. Wer sinnvolle Projekte entwickeln und Mitarbeitende fördern will, ist oft darauf angewiesen, dies im Rahmen solcher Strategien zu versuchen. Durch unsere Erklärung wollen wir aber sichtbar machen, dass die Exzellenzinitiative von vielen Forschenden, Lehrenden und Studierenden in Deutschland klar und deutlich abgelehnt wird.
Den ganzen Text findet ihr auf Soziopolis und der frisch eingerichtet Homepage der Exzellenzkritik.
Die Petition könnt ihr hier unterzeichnen (OpenPetition).

Louis Althusser: Ideologie und ideologische Staatsapparate

1 Über die Reproduktion der Produktionsbedingungen

Althusser beginnt seinen Aufsatz mit einer marxistischen Setzung: Jede Gesellschaftsformation beruht auf einer dominierenden Produktionsweise, wobei der Produktionsprozess „die bestehenden Produktivkräfte in und unter bestimmten Produktionsverhältnissen in Bewegung setzt“ (109). Um zu überleben muss die Gesellschaftsformation die Produktivkräfte und die Produktionsverhältnisse reproduzieren. Damit meint er jedoch nicht nur die Produktionsmittel, sondern insbesondere auch die Arbeitskraft, deren Reproduktion primär außerhalb des Betriebes erfolgt. Dies ist zum einen durch den Lohn gegeben, aber auch hier wird deutlich, dass Althusser einen anderen Schwerpunkt setzen möchte – denn es geht ihm um die ‚Kompetenz‘ der Arbeitskraft, damit sie im System des Produktionsprozesses eingesetzt werden kann. Diese findet nicht mehr in erster Linie in der Produktion statt, sondern durch das kapitalistische Schulsystem (111). Man erlerne dort gewisse Fähigkeiten und die Regeln des ‚Anstands‘ (112) – und damit die Einordnung in das bestehende System („Unterwerfung unter die herrschende Ideologie“ (112)). Damit betont er die Wirksamkeit einer neuen Realität: Louis Althusser: Ideologie und ideologische Staatsapparate weiterlesen

Offener Lesekreis 2016: Althusser, Lacan, Blumenberg, Bargetz/Sauer

Die AG Politische Theorie startet demnächst in eine neue Runde des Lesekreises. Dafür wurde dieses Mal ein offenes Format mit vier Sitzungen gewählt:

 

16.04.2016

Louis Althusser: Ideologie und ideologische Staatsapparate

 
30.04.2016
Jaques Lacan: The Instance of the Letter in the Unconscious

 

14.05.2016
Hans Blumenberg: Präfiguration

 

28.05.2016
Bargetz/Sauer: Politik, Emotionen und die Transformation des Politischen. Eine feministisch-machtkritische Perspektive

 

Wie üblich wird es einen Input mit folgender Diskussion auf dem Blog geben. Erstmalig wird dieses bewährte Format mit einer Telefonkonferenz in der jeweils folgenden Woche ergänzt. Auch auf dem nächsten AG-Workshop in Bremen am 13./14. Mai wird es die Möglichkeit geben, die Texte zu diskutieren.

Interessierte Mitleser*innen können sich gerne bei der AG melden, um Zugang zu den Texten und der Telefonkonferenz zu erhalten.

    

 

Judith Butler: “Freedom of Assembly, or Who are the People?‘ (Lecture)

Die US-amerikanische Philosophin Judith Butler wird heute 60 Jahre alt. Berühmt, auch über die akademischen Fachkreise hinaus, wurde Sie mit Ihren Arbeiten zu Feminismus, Gender und Queer. Ihr Werk ‚Gender Trouble‚ – zu deutsch ‚Das Unbehagen der Geschlechter‚ – hat Anfang der 1990er eine umfangreiche Debatte über feministische und Gender-Theorien ausgelöst. Neben vielen Auszeichnungen hat Butler 2012 auch den Theodor-W.-Adorno-Preis erhalten, was zu einer Kontroverse um Butlers Position zu Israel führte. In ihrem jüngst erschienenen Buch ‚Notes toward a performative theory of assembly‚ setzt sich Butler intensiv mit Performativität im politischen Denken, neueren Vorstellungen von Versammlungen/assemblies und Prekarität auseinander. Zudem ist auch ihre Dankesrede zum Erhalt des Adorno-Preises abgedruckt. Auf Deutsch soll das Werk im Herbst 2016 erscheinen (bei Suhrkamp wie so viele Bücher von ihr).

Ebenfalls enthalten, ist ihr Vortrag vom September 2013 über Freedom of Assembly, or Who are the People?‚ welchen sie in Istanbul gehalten hat und den ihr beim Klicken auf das Video ansehen und anhören könnt.