Lesekreis – offene Textrunde

Der Lesekreis geht in eine neue Runde!

Die frischen Überlegungen aus Kasselfornia werden nun in die Tat umgesetzt. Der neue Lesekreis liest kein ganzes Buch, sondern begiebt sich an die lang und mühevoll aufgebauten Textstapel, die jeder einsam für sich angesammelt hat. Monatlich stellt eine Person einen Text zur Diskussion – ob Klassiker oder gerade passend zur Seminar- oder Abschlussarbeit.  Die Textwahl wird frühzeitig bekannt gegeben: mitlesen und mitdiskutieren darf jeder. Neu soll die Diskussion durch einen Zweitkommentator/-in angeregt werden mit der angestrebten Tendenz zu kürzeren dafür zahlreicheren Kommentaren.

Der Lesekreis startet am 31. Juli mit einem Text von Michel Foucault ‚Nietzsche, die Genealogie, die Historie‘ und wird an den Terminen 28. August, 25. September, 23. Oktober und 20. November fortgestetzt.

Auf regen Austausch und neue Erkenntnisse!

Brunkhorst: Dr. Jekyll & Mr. Hyde als Figuren Europas

Die Wahlen zum Europäischen Parlament sind geschehen und das Tauziehen um die Ausgestaltung der Europäischen Union (und ihrer politischen Ämter) geht in eine nächste Runde. Der glühende Kritiker der technokratischen EU und emphatische Verteidiger der europäischen Ideale Hauke Brunkhorst (Uni Flensburg) hat pünktlich zur Wahl ein Buch im Suhrkamp vorgelegt. Im „Das doppelte Gesicht Europas. Zwischen Kapitalismus und Demokratie“ bezeichnet er Europa als den (dialektischen) Widerspruch zwischen dem emanzipatorisch-kritischen Dr. Jekyll und dem technokratisch-funktionalistischen Mr. Hyde und plädiert schließlich für eine „Transnationalisierung des demokratischen Klassenkampfes“ (Brunkhorst 2014: 160). Brunkhorst: Dr. Jekyll & Mr. Hyde als Figuren Europas weiterlesen

Artikel über die Berliner Nacht der Philosophie

Wer es, wie ich, nicht nach Berlin geschafft hat am Wochenende, findet hier einen schönen und zum Teil kritischen Artikel über die Veranstaltung aus dem Freitag:

Paris – Berlin. Gefühlt: Wien.

Habermas „kostenlos“ lesen in den Blättern

Zum 85. Geburtstag von Jürgen Habermas (18.06.) haben die Blätter für deutsche und internationale Politik einen Sammelband mit allen Texten von und über Habermas heraus, welche in den Blättern erschienen sind (von 1997 bis 2014); Habermas sitzt im HerausgeberInnenkreis der Blätter. Unter den Autor_innen des Sammelbandes befinden sich so namenhafte WissenschaftlerInnen wie Oskar Negt, Seyla Benhabib, Rainer Forst oder Axel Honneth und natürlich Jürgen Habermas selbst. Wer sich also die zahlreichen politischen Interventionen, theoretischen Überlegungen und kritischen Würdigungen zu Gemüte führen will, findet in dem Werk ausreichend Lesestoff.

Aktuell verblüffend ist, dass es kostenlos herunterladbar ist. Nämlich hier!

 

Foucault auf Arte

Wie vor einigen Tagen schon hier angemerkt wurde, jährt sich dieses Jahr Michel Foucaults Todestag zum 30. Mal. Aus Anlass dieses Gedenkjubiläums widmet sich einer der wenigen Fernsehsender, die ich bei einer (unrealistischen) Abschaffung des Fernsehens vermissen würde, nämlich Arte, heute dem berühmt-berüchtigten Philosophen in einer Dokumentation. Ich habe seine Texte nie mit Genuss gelesen, aber vielleicht regt die heutige Sendung zur Relektüre an:

Foucault gegen Foucault, Mittwoch, 18. Juni um 21:45 Uhr bei Arte

Programmtext:

„Michel Foucault gilt als einer der wichtigsten Vertreter des französischen Strukturalismus. Seine Arbeiten, in denen er das Entstehen und die Mechanismen von Macht untersucht, und Schulen, Kasernen und Krankenhäuser mit Gefängnissen vergleicht, sorgten stets für Kontroversen. Zu seinen wichtigsten Werken zählen unter anderem „Wahnsinn und Gesellschaft“, „Die Ordnung der Dinge“, „Archäologie des Wissens“, „Überwachen und Strafen“ sowie seine großangelegte, dreiteilige Geschichte der Sexualität.

Wie seine Schriften war auch der Mensch Foucault komplex und voller Widersprüche: einerseits ein politisch engagierter und streitbarer Freigeist und Aktivist des Mai 68, andererseits ein Gelehrter, der seinen Lehrstuhl für die Geschichte der Denksysteme (1970-1984) am Collège de France sehr ernst nahm und sich als zentrale Figur der Institution Universität verstand. Foucault war ein scharfsinniger und rebellischer Intellektueller, der sich sowohl im akademischen als auch im öffentlichen Raum einmischte; ein Mann seiner Zeit, der ein zeitloses Werk schuf und Maßstäbe setzte.Die Dokumentation beschreibt Foucaults philosophische Entwicklung, die nie linear verlief, sich oft selbst negierte, verschiedene Ansätze, Disziplinen und Forschungsgegenstände wählte, aber stets kohärent blieb. Er war Vertreter des Poststrukturalismus, Psychologe, Historiker, Soziologe und Begründer der Diskursanalyse. In 20-jähriger Arbeit entstand ein Gesamtwerk, dessen allgemein anerkannte Originalität wohl einzigartig ist.“

Für alle Fußballfans und andersweitig Verhinderten: die Sendung kann auch sieben Tage nach der Erstausstrahlung in der Mediathek angesehen werden.