Horkheimers Nachlass online

Ab heute sind Teile von Max Horkheimers Nachlass, der bisher im Keller der Universitätsbibliothek Frankfurt lagerten, online zu finden. Es handelt sich um Typoskripte, Notizbücher und Briefe sowie sämtliche Entwürfe seiner Werke und bisher unveröffentlichte Korrespondenz mit Theodor W. Adorno, Walter Benjamin oder Herbert Marcuse. Dies ist der Link zur Sammlung: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/horkheimer.

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Offene Textrunde (I) – Michel Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie

„Die Genealogie ist grau.“ So beginnt Foucault (2009: 181) seine Ausarbeitungen über Nietzsche, die Genealogie, die Historie. Bezugnehmend auf Nietzsches Ausführungen über die Genealogie der Moral legt er die Hauptmerkmale der Methode der Genealogie dar. Es ist eine historische Methode, die sich gegen die klassische Historik wendet – die metaphysische, überhistorische Momente wie die Suche nach einem Ursprung, dem Wesen einer Sache oder einer abgeschlossenen Identität ablehnt. Dass die Genealogie dabei selbst keinen absoluten Standpunkt einnehmen kann, ist eine stringente Weiterführung, die anerkennt, dass sie selbst ein perspektivisches Wissen ist (vgl. Foucault 2009: 196-197).Statt nach Einheit sucht die Genealogie nach Diskontinuität und berücksichtigt die Einzigartigkeit von Ereignissen, die vom Zufall geprägt sind. So „kennt die wirkliche Historie nur ein einziges Reich, in dem es weder Vorsehung noch Endursache gibt, sondern nur ‚jene eisernen Hände der Notwendigkeit, welche den Würfelbecher des Zufalls schütteln‘“ (Foucault 2009: 195). Offene Textrunde (I) – Michel Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie weiterlesen

DVPW-Theoriesektionstagung im Herbst in Göttingen

Die Herbsttagung der DVPW-Sektion „Politische Theorie und Ideengeschichte“ findet im September an der Uni Göttingen statt; organisiert von Prof. Samuel Salzborn und Prof. Walter Reese-Schäfer. Vom 16. bis 18. September wird sich den Nicht-KlassikerInnen der Politische Theorie und Ideengeschichte gewidmet. Unter dem Thema „Die Stimme des Intellekts ist leise. Klassiker/innen des politischen Denkens abseits des Mainstreams“ werden Vorträge zu verschiedenen Denker_innen – auch aus dem nicht-westlichen Raum – gehalten. Das Programm findet ihr hier!

Um eine Anmeldung wird bis zum 15.08. gebeten.

Klassiker: Günter Gaus im Gespräch mit Hannah Arendt

Unter Politikwissenschaftlern ist es vielleicht kein Geheimtipp mehr, aber sehenswert ist das nach Günter Gaus „beste Gespräch, das ich je geführt habe“, immer noch.

Im Zentrum des biographischen Gesprächs stehen Gegenwartsfragen des politischen Denkens und Handelns. Einleitend wird das Spannungsfeld von Philosophie und politischer Theorie erörtert. Ein weiterer Aspekt sind Geschlechterrollen, die Lebensgeschichte von Arendt sowie insbesondere der Prozess gegen Adolf Eichmann. Das Buch von Hannah Arendt („Eichmann in Jerusalem“) war im Herbst 1964 in der Bundesrepublik und 1963 in den USA erschienen. Das Gespräch wurde erstmals am 28.10.1964 in der berühmten Reihe „Zur Person“ gesendet.

Iring Fetscher ist tot

Der renommierte Marxismusforscher und das langjährige Mitglied der Grundwertekommission der SPD Iring Fetscher ist am 19. Juli im Alter von 92 Jahren gestorben. Laut SZ war er „einer der ersten, der es wagte, gegen den antikommunistischen Konsens die Marxsche Lehre überhaupt vorzustellen.“ Die Dokumentensammlung „Der Marxismus: seine Geschichte in Dokumenten“ (1962-65) ist eines der ersten Zeugnisse dieses Wagnis’. Er promovierte über Hegel aus linkshegelianischer Perspektive und widmete seine Habilschrift dem Staatsverständnis von Jean-Jacques Rousseau. 1963 wurde Fetscher an die Universität Frankfurt berufen und verstand sich fortan als intervenierender Hochschullehrer, der zu tagesaktuellen Fragen wie Mitbestimmung, Terrorismus, die Grenzen des Wachstums und Ökologie Stellung nahm.

 

Auswahl seiner Publikationen:

  • „Von Marx zur Sowjetideologie“ (1956)
  • „Rousseaus politische Philosophie: zur Geschichte des demokratischen Freiheitsbegriffs“ (zuerst 1960, überarb. 1975)
  • „Marxisten gegen Antisemitismus“ (1974)
  • zus. mit Herfried Münkler: „Pipers Handbuch der politischen Ideen“ (5 Bd., 1985-1993)
  • „Ökologie und Demokratischer Sozialismus“, in: Helga Grebing (Hrsg.): Sozialismus in Europa: Bilanz und Perspektiven. Festschrift für Willy Brandt (1989), S. 216-224.
  • „Neugier und Furcht. Versuch, mein Leben zu verstehen“ (1995 – Autobiographie)
  • „Marx“ (1999 – eine kurze Einführung in den Marxismus)

 

Nachrufe auf den Seiten der SZ, Frankfurter Rundschau und FAZ.