Ich möchte diese Ausführung zu Butlers Text zu Gender-Regulierungen mit einem Aspekt beginnen, den sie zum Schluss des Textes anführt und in verschiedenen Essays des Buches Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen anspricht. Es handelt sich um verschiedene Formen sozialer Strafen bei Verstößen gegen die Geschlechternormen. Dazu gehören die operative Herrichtung von Intersex-Individuen, die medizinische und psychiatrische Pathologisierung und Kriminalisierung von Menschen mit einer ‚Gender-Dysphorie‘, die Schikanierung von genderuntypischen Personen im Alltag, die Diskriminierung bei Stellensuche und Gewalt (Butler 2017: 95).[1] Diesen Phänomenen, die enorme negative Wirkungen auf die Betroffenen haben, liegen spezifische Geschlechternormen zugrunde. Butler fragt nicht zuletzt deshalb nach der Art und Weise, wie eine solche Regulierung von Gender zustande kommt, wie sie funktioniert, sowie daran anschließend nach Möglichkeiten der Abweichung von der Norm, die den regulatorischen Prozess selbst unterbricht (Butler 2017: 91).
Kategorie: Allgemein
Abbau und Umwidmung von Theoriestellen
Der theorieblog hat gerade einen Aufruf veröffentlicht, der ziemlich wichtig ist. Bei dem Aufruf geht es um den Abbau und die Umwidmung von Professuren und Mitarbeiter*innenstellen in der politischen Theorie. Dazu sollen zunächst Eindrücke und Erfahrungen zu dieser Beobachtung gesammelt werden. Den Aufruf möchten wir gerne unterstzützen und veröffentlichen ihn deswegen hier im Originaltext.
Immer wieder scheinen Stellen in der Politischen Theorie und Philosophie verloren zu gehen. Neuausschreibungen werden so formuliert, dass zusätzlich geforderte Extraqualifikationen den Charakter der Stelle verändern, etwa wenn ein Fokus auf empirische Politikwissenschaft (wie jetzt bei der Saar-Nachfolge in Leipzig) gesetzt wird oder ein ideengeschichtlicher Schwerpunkt in der Ausschreibung nicht mehr erwähnt wird (wie bei der Münkler-Nachfolge in Berlin). Damit wächst einerseits die Furcht vor fachfremden Berufungen, durch die andererseits das Profil der Disziplin verwässert wird, sodass womöglich bald kurzfristig Gefälliges als Politische Theorie firmiert und umso leichter eingespart zu werden droht.
Diesem weit verbreiteten und nicht unbestritten gebliebenen Eindruck möchten wir in der kommenden Zeit systematischer nachgehen und versuchen, den Abbau und die Umwidmung von Theoriestellen (Professuren und WiMi) zu sammeln und zu dokumentieren. Da wir keinen genauen Einblick in alle Institute in Deutschland haben, bitten wir um eure Mitarbeit: Wo stehen Theoriestellen aktuell auf dem Spiel? Wo sind in den letzten Jahren Stellungen umgewidmet worden oder ganz aus der Theorie abgewandert? Wie verändert sich auch grundsätzlich der Anteil von Theorie in Forschung und Lehre? Welche Gründe gibt es dafür? Welche Folgen hat das? Gibt/gab es Widerstand? Und auch: Welche positiven Entwicklungen seht ihr?
Wir erhoffen uns von diesem Crowdsourcing einen genaueren Überblick über die Entwicklung der Politischen Theorie und Philosophie im deutschsprachigen Raum. Bitte benutzt für eure Antworten in erster Linie den Comment-Bereich unter diesem Post. Ihr habt dabei auch die Möglichkeit, die Posts zu anonymisieren. Alternativ könnt ihr eure Erfahrungen und Informationen auch an team@theorieblog.de schicken. Wir sammeln diese und planen bei hinreichender Beteiligung einen eigenen Post zum Thema auf Grundlage der Kommentare und Einsendungen in den nächsten Monaten.
Prekäre Wissenschaft: Täglich grüßt das Murmeltier? Folge 1
In diesem Sinne hier die erste Folge unserer neuen Reihe:
Exzellenzkritik – Petition gegen die Exzellenzinitiative
Eine Reihe von Wissenschaftler*innen hat heute eine Stellungnahme und Petition gegen die Exzellenzinitiative veröffentlicht.
In der Erklärung heißt es:
Offener Lesekreis 2016: Althusser, Lacan, Blumenberg, Bargetz/Sauer
Wie üblich wird es einen Input mit folgender Diskussion auf dem Blog geben. Erstmalig wird dieses bewährte Format mit einer Telefonkonferenz in der jeweils folgenden Woche ergänzt. Auch auf dem nächsten AG-Workshop in Bremen am 13./14. Mai wird es die Möglichkeit geben, die Texte zu diskutieren.
Interessierte Mitleser*innen können sich gerne bei der AG melden, um Zugang zu den Texten und der Telefonkonferenz zu erhalten.
