Faschismus is back!? Lesekreis 2026

Faschismus 2026 – alter Begriff, neue Realität?

Trump 2.0. AfD im Bundestag. Die Kettensäge für die Arbeiter*innenbewegung in Argentinien. Incels und Manosphere. Big Tech, Thiel, Palantir als Machtzentrum.

Aber: Ist „Faschismus“ wirklich der richtige Begriff dafür – oder schießen wir analytisch übers Ziel hinaus? Und was hilft uns überhaupt der Begriff konkret? Und wie sähe eigentlich ein visionärer Antifaschismus aus?

Wir starten im März einen Lesekreis, der genau diesen Fragen auf den Grund geht. Kein Seminar, kein Leistungsdruck, kein Theoriemackterum – sondern echtes gemeinsames Denken über Texte, die gerade wichtiger nicht sein könnten: Amlinger/Nachtwey, Adorno, gerne auch Arendt, Kracher, Biebricher und mehr.

📅 Start: 12. März 2026 | 19 Uhr | Online
📖 ~20–40 Seiten alle 14 Tage ✉️ Anmeldung: huttel@dngps.de

Für Jungwissenschaftler*innen, Studierende, Lehrer*innen und alle, die die Gegenwart verstehen wollen.

Book presentation: Yannis Stavrakakis “Populism: Myths, Stereotypes and Reorientations“

On the 21st of April 2022, we were happy to welcome Yannis Stavrakakis for another book review of his preliminary book on „Populism: Myths, Stereotypes and Reorientations.“ The book attracted my interest in my own research on populism from the perspective of radical democratic theory. Unfortunately, the book is still available only in Greek and for this reason, we were delighted to welcome Yannis to speak about it.

Yannis Stavrakakis is a political theorist, and professor at the Aristotle University of Thessaloniki. He is a well-known proponent of the Essex School of discourse analysis and an influential researcher on populism. Between 2014 and 2015, he led the so-called POPULISMUS research project on populist discourse at the University of Thessaloniki, co-funded by the European Union. There is a similar English version of the book upcoming. So, those who unfortunately don’t speak Greek like me, don’t have to wait too long. Here is a video of the book discussion:

Demokratie stärken !

… durch sozioökonomische Teilhabe und lokale Repräsentation

von Sarah Bauer, Patrick Huttel und Jonas Steidle

1 Demokratie stärken – aber wie?

Der Satz wurde so oft zitiert, dass er Gefahr läuft, seine Bedeutung zu verlieren. Dadurch, dass er zu einem Teil deutscher Geschichte wurde, wirkt er erstarrt und altbacken, dabei bleibt er aktuell, solange Menschen versuchen gemeinsam und auf Augenhöhe ihr gemeinsames Zusammenleben zu organisieren. Seinem Urheber, damals polarisierend wie kaum ein anderer Politiker, wurden durch die Historisierung die Ecken und Kanten abgeschliffen, als Säulenheiliger wurde er und mit ihm seine Botschaft unschädlich gemacht. Was auch immer dafür gesorgt hat, dass nur noch müde gelächelt wird, wenn man ihn in politischen Zusammenhängen zum Besten gibt – bei genauerem Hinsehen hat er nichts von seiner zukunftsweisenden Kraft verloren. Heute wird sein Anliegen in neue Worte gekleidet, doch noch immer eint Progressive und v.a. Sozialdemokrat:innen, dass sie als Triebfeder ihres Handelns einen Wunsch identifizieren können: Sie alle wollen mehr Demokratie wagen!

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Rahel Süß – „Politique de la Provocation“

Am 9. März 2022 haben wir die politische Theoretikerin Rahel Süß eingeladen um über ihr aktuelles Buch „Politique de la Provocation“ zu reden. Rahel ist politische Theoretikerin und Gründerin der Zeitschrift engagéeSie ist Gründerin des Data Politics Lab an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Was versteht Rahel unter provokativer Politik und einer Demokratietheorie des Experiments?

Diese und andere Fragen haben wir Rahel gestellt, die gerade in einem Forschungsprojekt an der London School of Economics mit Lea Ypi zu Digitaler Demokratie forscht. Zu Rahels Vortrag und der Diskussion geht’s hier. Wer einen Einblick in Rahels Ideen haben möchte, hier auch noch ein Einführungstext.

 

Die Konjunktur der Solidarität

Foto von Beanqueen/Flickr

„Je suis Charlie“, Demonstrationen gegen antisemitische Angriffe auf JüdInnen, Anti-Austeritätsproteste in Europa, der Umgang mit Geflüchteten in der europäischen Migrationskrisen, die Rede von Andrea Nahles auf dem SPD-Sonderparteitag oder Aufrufe zu 1. Mai-Demonstrationen teilen eine Idee: Die öffentliche Anrufung von Solidarität.[i] Solidarität wird gefordert, erklärt oder erwartet. Dies geschieht meist nach bzw. in einer „Krise“.[ii] Bis auf Marktradikale wie Ayn Rand oder Margret Thatcher, die jegliche soziale Beziehung, die über die familiäre Solidarität hinausginge, als unnötig und freiheitseinschränkend ansehen[iii], gibt es wohl kaum Parteien und Organisationen, die explizit Solidarität ablehnen würden. Womit haben wir es also hier zu tun?

Vom Römischen Recht zur Französischen Revolution

Semantisch hat Solidarität wohl ihre Ursprünge im Römischen Recht: Darin findet sich die Formulierung ‚obligatio in solidum‘, in der der einzelne für die Gruppe haftet und vice versa; das juristische Vorbild zum Musketier-Slogan ‚Einer für alle und alle für einen‘. Zudem gibt es starke christliche Bezüge, indem die katholische Glaubensgemeinschaft eine Bruderschaft vor Gott schafft, in der alle gleich sind Die Konjunktur der Solidarität weiterlesen