Digitalisierung der Arbeit: Eine weitere Leseliste

Neben der Asyl- und Flüchtlingsthematik gibt es aus meiner Sicht ein zweites drängendes Problem unserer Zeit, das es wert ist, mit einer Leseliste angeschnitten zu werden: Die Digitalisierung der Arbeit und des Lebens. Wie Pilze aus dem Boden schießen Positionspapiere, Grünbücher u. Ä. aus Fachdiskursen an die Öffentlichkeit, um die Potenziale der Industrie 4.0, des Internets der Dinge oder des Smart Home zu erklären. Die sozialwissenschaftliche Beschäftigung damit beginnt erst allmählich, aber auch kritische Wissenschaftler, Gewerkschafter und Journalisten beginnen die Frage nach den (positiven oder negativen?) Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeit zu stellen.

Dies ist meiner Meinung für eine Kritische Sozialwissenschaft dringend notwendig, denn Arbeit bzw. Lohnarbeit ist trotz aller Wandlungen, die sie in den letzten Jahrzehnten durchlaufen hat, immer noch der zentrale gesellschaftliche Prozess, der uns in Ketten legt, der unseren Lebensrhythmus bestimmt, uns krank, aber zum Teil auch Freude macht. Ohne Lohnarbeit gibt es keinen Kapitalismus – wer den Kapitalismus überwinden will, muss sich folglich mit dem Produktionsprozess, also auch der Organisation der Arbeit beschäftigen. Welchen emanzipatorischen Einfluss dabei unter welchen Bedingungen die Digitalisierung spielen kann, kann der geneigte Leser u. a. in folgenden Büchern lesen (Ergänzungen in Kommentaren gerne erwünscht):

  • Bischoff, Joachim; Radke, Björn; Troost, Axel, Industrie der Zukunft? Wertschöpfung zwischen De-Industrialisierung und vierter industrieller Revolution. Supplement der Zeitschrift Sozialismus 6/2015.
  • Botthoff, Alfons; Hartmann, Ernst Andreas (Hg.), Zukunft der Arbeit in Industrie 4.0, Berlin, Heidelberg 2015.
  • Bullinger, Hans-Jörg; ten Hompel, Michael (Hg.), Internet der Dinge, Berlin 2007.
  • Brynjolfsson, Erik; McAfee, Andrew, The Second Machine Age: Wie die nächste digitale Revolution unser aller Leben verändern wird, Kulmbach 2014.
  • Dath, Dietmar, Maschinenwinter: Wissen, Technik, Sozialismus, Frankfurt/M. 2008.
  • Frey, Carl Benedict; Osborne, Michael A., The future of employment. How susceptible are jobs to computerization?, Retrieved September 7, 2013.
  • Fuchs, Christian, Culture and economy in the age of social media, New York [u.a.] 2015.
  • Fuchs, Christian, Digital labour and Karl Marx, New York [u.a.] 2014.
  • Gorz, André, Wissen, Wert und Kapital: zur Kritik der Wissensökonomie, Zürich 2004.
  • Haug, Wolfgang Fritz, High-Tech-Kapitalismus. Analysen zu Produktionsweise, Arbeit, Sexualität, Krieg und Hegemonie, Berlin 2003
  • Hirsch-Kreinsen, Hartmut; Ittermann, Peter; Niehaus, Jonathan (Hg.), Digitalisierung industrieller Arbeit. Die Vision Industrie 4.0 und ihre sozialen Herausforderungen, Baden-Baden, 2015 (u. a. mit Beitrag von Klaus Dörre: Digitalisierung – neue Prosperität oder Vertiefung gesellschaftlicher Spaltungen?, S. 267-282)).
  • Wagner, Thomas, Robokratie: Google, das Silicon Valley und der Mensch als Auslaufmodell, Köln 2015
  • Wetzel, Detlef, Arbeit 4.0. Was Beschäftigte und Unternehmen verändern müssen. Freiburg, Basel, Wien 2015.

 

Beiträge in Z. Zeitschrift marxistische Erneuerung, Heft 103:

  • Ursula Huws: Widersprüche der digitalen Ökonomie. Informationskapitalismus und Kybertariat
  • Florian Butollo/Thomas Engel: Industrie 4.0 – arbeits- und gesellschaftspolitische Perspektiven. Zwischen Dystopie und Euphorie
  • André Leisewitz: Zur aktuellen Verbreitung und Nutzung digitaler Arbeitsmittel.
  • Marcus Schwarzbach: Work around the clock? Digitale Arbeit – Herausforderung für Betriebsräte und Gewerkschaften
  • Ursula Schumm-Garling: Gewerkschaften und die digitale Arbeitswelt
  • Falk Prahl: Die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Debatte um eine neue Arbeitszeitpolitik
  • Thomas Hagenhofer: Produktivkraftsprung: Digitale Vernetzung
  • Peter Brödner: Industrie 4.0 und Big Data. Kritik einer technikzentrierten Perspektive
  • Christian Fuchs: Zur Theoriebildung und Analyse der digitalen Arbeit. Die globale Produktion digitaler Hard- und Software (Teil I)

 

Beiträge in Das Argument 311 – „Widersprüche des Hightech-Kapitalismus“:

  • Wolfgang Fritz Haug: Editorial
  • Gregorio Martín Quetglas: Digitalisierung und Arbeitsplätze
  • Christof Ohm & Manfred Bürger: Industrie 4.0 und ihr Kybertariat
  • Niels Boeing: 3D-Druck – Computergesteuerte Produktionsmittel für alle?
  • Dorte Marie Søndergaard: Roboter – unsere ›neuen Anderen‹
  • Welf Schröter: Roboter – Assistenz der Humanoiden
  • Wolfgang Fritz Haug: Menschenbildung in Zeiten des Internets der Dinge

Weitere Literaturhinweise sind hier zu finden.

 

3 thoughts on “Digitalisierung der Arbeit: Eine weitere Leseliste”

  1. Dazu auch ein aktuelle Konferenz der Hans-Böckler-Stiftung zu „Arbeit 4.0 – Chancen und Risiken“.
    Entweder bis Ende März bewerben oder sich den termin im Juni schonmal vormerken. Wer sich bewirbt und angenommen wird: „Die Hans-Böckler-Stiftung übernimmt die Reise-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten.“
    Hier finden sich mehr Infos: http://www.hsozkult.de/event/id/termine-30426

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