Lesekreis zu D. Eribons ‚Rückkehr nach Reims‘

Die AG organisiert mal wieder einen Lesekreis. Diesmal widmen wir uns wieder einem ganzen Buch und nur einem Autor. Dabei ist das Werk nicht originär politiktheoretisch. Wir wollen uns näher mit Didier Eribons Essay ‚Rückkehr nach Reims‚ beschäftigen. Es wurde dieses Jahr schon sehr ausführlich in diversen Blogs und Feulliteon-Artikel diskutiert (z. B. hier und da und dort). Auch wenn nun Veranstaltungen mit ihm in Frankfurt a. M. oder in Berlin stattfinden und nochmal Aufmerksamkeit erzeugen, hat der ‚Hype‘ um sein Arbeit etwas nachgelesen.

Die beste Zeit also für die AG, mit etwas zeitlichem Abstand das Werk politiktheoretisch zu lesen und zu diskutieren. Was kann aus der Perspektive der Politischen Theorie aus dem soziologischen Text gezogen werden? Welche Ideen, Konzepte und Gedanken lernen wir für politiktheoretische Arbeiten, woran lässt sich anschließen und welche Gedanken kann die politiktheoretische Perspektive beitragen oder gar neu herausfordern?

Wir werden uns dem Text in drei Abschnitten annähern. Wer mitlesen und -diskutieren will, dem können folgende Daten als Orientierung dienen. Bis 23.11.2016 wollen wir die ersten beiden Teile lesen und anschließend diskutieren. Danach lesen wir bis 14.12.2016 die Teile III & IV, um im neuen Jahr (bis 11.01.2017) den Leseprozess abzuschließen und den letzten Teil+Epilog gelesen zu haben. Ob und in welcher Form wir ggf. unsere jeweiligen Diskussionen zum Buch hier auf den Blog stellen, ist noch offen. Wer also teilnehmen will oder noch Fragen zum Lesekreis hat, schreibe uns einfach eine Mail an: post [ät] ag politische theorie . de

Wir freuen uns auf die Lektüre und spannende Diskussionen!

Hat die Politische Theorie ein Demokratietheorieproblem?

(Bild: Filippo Minelli)

Von Stefan Wallaschek und Janosik Herder

Demokratietheorie ist das Thema der Politischen Theorie in Deutschland. Jedenfalls kann man zu dem Schluss kommen, wenn man sich die Tagungen der Sektion Politische Theorie und Ideengeschichte der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) seit 2010 anschaut. Vier der Tagungen waren, wie auch die kommende Tagung in Trier im März 2017i, schon im Titel explizit der Demokratie gewidmet. Auch der größere DVPW-Kongress „Die Versprechen der Demokratie!“ 2012 stand ganz im Zeichen der Demokratietheorie und die Politische Theorie war prominent mit Vorträgen und Panels vertreten.ii Aber auch wenn man auf die Wortwolke unseres AG-Blogs schaut, scheint Demokratietheorie eines der wichtigsten Themen der Politischen Theorie zu sein.iii Aber muss das sein? Oder anders gefragt: Ist das ein Problem? Hat die Politische Theorie ein Demokratietheorieproblem? weiterlesen

Judith Butler: “Freedom of Assembly, or Who are the People?‘ (Lecture)

Die US-amerikanische Philosophin Judith Butler wird heute 60 Jahre alt. Berühmt, auch über die akademischen Fachkreise hinaus, wurde Sie mit Ihren Arbeiten zu Feminismus, Gender und Queer. Ihr Werk ‚Gender Trouble‚ – zu deutsch ‚Das Unbehagen der Geschlechter‚ – hat Anfang der 1990er eine umfangreiche Debatte über feministische und Gender-Theorien ausgelöst. Neben vielen Auszeichnungen hat Butler 2012 auch den Theodor-W.-Adorno-Preis erhalten, was zu einer Kontroverse um Butlers Position zu Israel führte. In ihrem jüngst erschienenen Buch ‚Notes toward a performative theory of assembly‚ setzt sich Butler intensiv mit Performativität im politischen Denken, neueren Vorstellungen von Versammlungen/assemblies und Prekarität auseinander. Zudem ist auch ihre Dankesrede zum Erhalt des Adorno-Preises abgedruckt. Auf Deutsch soll das Werk im Herbst 2016 erscheinen (bei Suhrkamp wie so viele Bücher von ihr).

Ebenfalls enthalten, ist ihr Vortrag vom September 2013 über Freedom of Assembly, or Who are the People?‚ welchen sie in Istanbul gehalten hat und den ihr beim Klicken auf das Video ansehen und anhören könnt.

Special Issue: „Theorising Noncitizenship“

Die letzte Ausgabe des Journals „Citizenship Studies“ ist wohl auch für Politische Theoretiker_innen spannend, die sich mit Fragen von Migration, Zugehörigkeit und Staatsbürgerschaft beschäftigen. Die Special Issue setzt sich mit „Theorising Noncitizenship“ auseinander. Die zentralen Fragen für die Herausgeber_innen Katherine Tonkiss und  Tendayi Bloom sind  „how liberal political theory can begin to address directly the question of noncitizenship. Bringing together scholars from legal, theoretical, sociological and applied perspectives, the special issue considers the theoretical problem that noncitizenship presents and how this problem can begin to be addressed with reference to how noncitizenship is conceptualised and the lived experience of noncitizenship“ (p. 837-838).

In den verschiedenen Beiträgen werden dann sowohl theoretische als auch empirische Blicke auf den Gegenstand geworfen wobei selbst die empirisch-orientierten Beiträge zu Australien oder Europa eine interessante theoretische Auseinandersetzung bieten. Hier lohnt es sich also sicher, mal reinzuschaun.

PS: Leider ist keiner der Artikel „open access“ weshalb ein Zugang über Unis(-Bib) oder andere Forschungseinrichtungen nötig ist, um die Texte zu lesen. Möglicherweise lassen sich durch eine intensivere Suche drafts oder andere vorläufige Versionen der Texte im Netz finden. Sicherlich kann sich auch an die Autor_innen gewendet werden, um die Texte zu erhalten.

CfP des Soziologiemagazins: „Gewalt, Macht und Herrschaft – Gesellschaft total?“

Dieser CfP des Soziologiemagazins ist wohl im ganz klassischen Sinne transdisziplinär. Gewalt, Macht und Herrschaft sind für die Sozial- und Geisteswissenschaften zentrale Begriffe, die sich in ziemlich allen Bereichen menschlichen Zusammenlebens finden und einer genauen Analyse sowie theoretischer Reflexion bedürfen.

Daher sei hier mal explizit auf den CfP verwiesen. Die Deadline ist der 01.06.2016. Folgt ihr dem Link, findet ihr mehr Informationen und den ausführlichen Call for Papers-Text.

PS: 2014 hatte die AG die DNGPS-Konferenz zu „Herrschaft und Widerstand“ in Kassel organisiert. Möglicherweise lassen sich an die damaligen Diskussionen und Vorträge anknüpfen.